ES-Spiegel - Das Magazin der Europa-Studien

Herr Bauch als Brückenbauer zwischen den Kulturen

Martin Bauch, normalerweise wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Romanische Kulturwissenschaft, ist seit dem 9. März 2015 beurlaubt und vertritt seitdem die Professur Romanische Sprachen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsfranzösisch an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Dort unterrichtet er französisches Arbeitsrecht, Interkulturelle Kommunikation und Marketing. Wir haben auch von einer Kooperation zwischen der WHZ und der Stadt Zwickau gehört, die Herr Bauch ins Leben gerufen hat, und wollten wissen, was es damit auf sich hat, und ob Herr Bauch auch wieder an die TU Chemnitz zurückkommt.

Seit Anfang des Jahres gibt es in Zwickau einen Sprach- und Kulturmittlerdienst, der an der Fakultät für Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation in Zusammenarbeit mit Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragten der Stadt Zwickau entstanden ist. In Zwickau leben derzeit rund 92.000 Menschen, darunter sind etwa 3.000 Ausländer. Das stellt Behörden, soziale Dienste, Schulen, Kindereinrichtungen sowie medizinische Einrichtungen und ihr Fachpersonal auf der einen und Migranten auf der anderen Seite vor Herausforderungen. Damit sind zweierlei Herausforderungen gemeint: zum einen der ungleiche Sprachstand und zum anderen die verschiedenen Denkmuster sowie Werte- und Normsysteme aller Beteiligten. Diese Sprach- und Kulturbarrieren sollen mithilfe des Sprach- und Kulturmittlerdienstes überwunden werden. Neben dem klassischen Dolmetschen soll es bei diesem Projekt aber vielmehr um das Überwinden von kulturell bedingten Verständnisschwierigkeiten gehen – es soll eine Brücke zwischen den Gesprächspartnern geschaffen werden und Vertrauen und gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden. Herr Bauch beschreibt die Kernaufgabe als „Brücken bauen – Sprachbarrieren abbauen“.

Martin Bauch, M.A.
Martin Bauch, M.A.

Die Sprach- und Kulturmittler arbeiten ehrenamtlich und sind keine professionellen Dolmetscher oder Übersetzer. Daher übernimmt die Fakultät Sprachen mit Herrn Bauch, der auch öffentlich bestellter und allgemein beeidigter Dolmetscher und Übersetzer ist, die notwendige fachliche Aus- und Fortbildung der ehrenamtlich Tätigen. Sie werden in den Bereichen des Sprachmittelns, Dolmetschertechniken und der interkulturellen Kommunikation sowie Konfliktbewältigung unterrichtet. Seit Februar gibt es die Koordinierungsstelle dieses Sprach- und Kulturmittlerdienstes in Haus 1 am Campus Scheffelberg, geleitet wird sie von Dajana Conrad. Diese Koordinierungsstelle ist fester Ansprechpartner und Anlaufstelle für Sprach- und Kulturmittler als auch für Nutzer des Angebotes.

Mit dem Projekt leistet die WHZ einen maßgeblichen Beitrag zur Integration von Migrantinnen und Migranten und nimmt dadurch ihre Verantwortung als Akteur des gesellschaftlichen Lebens in Zwickau wahr. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass die Kooperation auf weitere Bereiche ausstrahlt: Lehrer und Erzieher können durch die Arbeit des Dienstes und die wissenschaftliche Betreuung ihre interkulturelle Kompetenz weiterentwickeln. So profitieren alle. Wie auch Studierende und WissenschaftlerInnen der Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation. Das Projekt ist nämlich interessant für die Erforschung von Critical Incidents und interkulturellen Überschneidungssituationen. So steht die Fakultät bereits in engem Kontakt mit dem Germersheimer Fachbereich für Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU), welche bereits seit 2012 einen Dolmetscherpool mit ähnlichem Konzept erfolgreich betreibt und auch mit anderen Städten wie Chemnitz und Dresden, in denen es solche Projekte gibt, so dass eine fachliche Rückbindung und Qualitätskontrolle gewährleistet ist.

Das Projekt wird zunächst gefördert für ein Jahr – das große Ziel ist allerdings eine Verstetigung und auch ein Ausbau von derzeit einer halben auf eine ganze Koordinierungsstelle und ein Ausbau der fachlichen Weiterbildung und Betreuung durch die Fakultät Sprachen. Und was wird dann mit Herrn Bauch? Bleibt er etwa in Zwickau?

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