ES-Spiegel - Das Magazin der Europa-Studien

Vorstandsfoto United Campus Chemnitz

Alle 11 Minuten matcht ein Buddy einen Refugee

United Campus Chemnitz ist eine studentische Initiative, die geflüchtete Menschen dabei unterstützt, ein Studium an der TU Chemnitz aufzunehmen. Das Ziel des UCC ist, Geflüchtete zunächst als Gasthörer/innen und langfristig auch als ‚ordentliche‘ Studierende in die Universität zu integrieren. Um das zu erreichen, hat United Campus Chemnitz zunächst ein „Buddy-Programm“ ins Leben gerufen. Studierende der TU Chemnitz wurden dazu aufgerufen, den Geflüchteten bei ihren ersten Schritten an der Uni zur Seite zu stehen. Außerdem setzte sich die Initiative erfolgreich dafür ein, dass die Gasthörerschaft an der TUC für Geflüchtete kostenfrei wurde. Das „Buddy-Programm“ ist laut UCC eine Eins-zu-eins-Betreuung, die den Geflüchteten helfen soll, sich im Unialltag zurechtzufinden. Als solidarisches Netzwerk werden eine schnelle Eingewöhnung, interkulturelle Begegnung und Entwicklung von freundschaftlichen Beziehungen angestrebt. Bereits 2015 trafen sich auf Anregung der Studentin Sabrina Schmidt interessierte Studierende, um Geflüchtete bei dem Einstieg in ein Studium zu unterstützen. Im Herbst 2015 nahm der zuvor lockere Arbeitskreis feste Strukturen an. Um dem ganzen Projekt einen rechtlich tragfähigen Rahmen zu geben und die Sponsorensuche zu erleichtern, wurde eine Vereinsgründung angestrebt, welche dann Anfang 2016 auch vollzogen werden konnte.

Die meisten Anfragen der interessierten Geflüchteten kommen per E-Mail beim Verein an. Als Antwort bekommen sie einen Fragebogen zugesandt, der unter anderem die Sprachkenntnisse und Studienerfahrungen/-wünsche erfragt, die anschließend ins Dateisystem eingetragen werden.

Bisher haben sich 100 Studierende der TU Chemnitz bereit erklärt, als „Buddy“ Geflüchteten zur Seite zu stehen. Die Freiwilligen füllen Formulare aus, die unter anderem Angaben zu Sprachkenntnissen, kulturellen Erfahrungen und den Studiengängen enthalten. Der UCC „matcht“ dann die entsprechenden Paare mit gleicher Sprache und gleichem Studiengang und setzt daraufhin ein Treffen mit dem Buddy, dem Geflüchteten und einem Vertreter des UCC an. Grundsätzlich gibt es eine Eins-zu-eins-Betreuung, jedoch kann sich aufgrund von sprachlichen Hindernissen die Situation ergeben, dass eine zweite Betreuungsperson mit Übersetzertätigkeit hinzugezogen wird. Der Buddy hilft anschließend bei der Erlangung des Gasthörerstatus und der Erstellung eines Stundenplanes. Er unterstützt dazu aber auch bei Behördengängen und anderen Schwierigkeiten des Alltags. Das Duo geht dabei selbständig den Weg, kann sich aber jederzeit an den Verein mit Fragen oder Problemen wenden. Es ist ein System, das in ähnlicher Weise schon vom internationalen Studierendenaustausch bekannt ist.

Von den derzeit fünf Geflüchteten, die betreut werden, haben die meisten bereits in ihrer Heimat studiert und hoffen auf eine Weiterführung ihres Studiums. So auch Eva aus Aleppo, die in ihrem Heimatland Ökonomie studierte. Sie wurde eine Zeit lang vom Programm betreut, musste nach ihrer Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung jedoch weiter nach Leipzig reisen. Dies kann für die Buddys enttäuschend sein, gerade weil über die Betreuungszeit ein vertrautes Verhältnis entsteht. Demgegenüber steht aber auch viel Freude und überschwänglicher Dank, den die Geflüchteten auch schon für kleine Hilfen entgegenbringen.

Die Uni und der StuRa unterstützen den Verein, der auch als studentische Initiative anerkannt ist. Die Vereinsmitglieder entrichten Beiträge, aber es wird natürlich auch nach Sponsoren gesucht. Dies erweist sich als schwierig. Häufig haben die gefragten Firmen bereits anderen Projekten gespendet und geben keine weiteren Zusagen.

Die schwierigste Aufgabe ergibt sich jedoch aus der Frage „Wie erreichen wir die Zielgruppe der Geflüchteten, die studieren möchten?“ Die Ämter geben aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Kontaktdaten an Dritte weiter. So bleiben Mund-zu-Mund-Propaganda, das Auslegen von Flyern und Infomaterial oft die einzige Möglichkeit, um bei Geflüchteten Aufmerksamkeit zu erregen. United Campus Chemnitz freut sich deshalb auf eure Unterstützung und euer Mitwirken.

Kontakt:

ucc@tu-chemnitz.de

www.fb.com/unitedcampuschemnitz

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