ES-Spiegel - Das Magazin der Europa-Studien

Bild: Vanessa Beyer, alle Rechte vorbehalten

Aus Europa in die Welt!

Liebe Kommiliton_innen, liebe Alumnae und Alumni, liebe Professor_innen und Dozent_innen,

die aktuelle Ausgabe „Aus Europa in die Welt!“ unseres Online-Magazins Europastudien-Spiegel hält spannende Beiträge zur europäischen Außenpolitik, außenpolitischen Beziehungen und der Rolle der Europäischen Union im internationalen Kontext bereit. Mit dieser Ausgabe möchte die Redaktion einen Blick über den Tellerrand werfen und neue Außenperspektiven der EU gewinnen sowie die Aufmerksamkeit auf das außenpolitische Handeln der EU lenken.

Dem Bereich der Außenbeziehungen der Europäischen Union wurde bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Zwar wurde die europäische Außenpolitik in den europäischen Verträgen im Laufe der Zeit berücksichtigt, jedoch kam ein wesentlicher Schwerpunkt immer noch der wirtschaftlichen Integration zu. Zudem stellte die Außenpolitik einen integralen Bestandteil der staatlichen Souveränität der Mitgliedstaaten dar und gehörte somit zu einer Kompetenz, die nicht übertragen werden wollte. Doch aufgrund der Entwicklung der Europäischen Union zu einem Global Player wurde ein einheitliches und effektives Handeln nach Außen notwendig.

Gegenwärtig findet sich die Europäische Union in einem internationalen Spannungsfeld mit multiplen Herausforderungen und tiefgreifenden globalen Veränderungen wieder, die neue Anforderungen an die europäische Außenpolitik stellen. Die Zukunft des Atomabkommens mit dem Iran scheint ungewiss, die Beziehung zum EU-Beitrittskandidaten Türkei fragil und das Zerwürfnis während des G7-Gipfels in Kanada spaltet auch die europäischen Partner. Besonders eine Neuausrichtung der Flüchtlings- und Grenzpolitik mit einer gemeinsamen europäischen Lösung sorgt für Kontroversen innerhalb der EU.

Anstatt eines integrativen außenpolitischen Ansatzes hat sich ein weitgefächertes außenpolitisches Beziehungsgeflecht der EU herausgebildet, das ein homogenes Auftreten in außenpolitischen Angelegenheiten erschwert. Wie werden sich also hinsichtlich aktueller Chancen und Risiken die zukünftigen Strategien der europäischen Außenpolitik gestalten? Wie kann die Europäische Union globalem Druck und lokaler Dynamik gerecht werden?

Die Europäische Union hat erkannt, dass in Zeiten unsicherer außenpolitischer Partner und einer komplexeren Welt der globalen Machtverschiebungen die Gestaltung einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik umso entscheidender ist und gleichzeitig ein starkes Signal europäischer Souveränität darstellt. So stellte die EU-Kommission im Jahr 2016 bereits einen Entwurf zu den Leitlinien einer neuen "globalen Strategie für Außen- und Sicherheitspolitik" vor und plädiert für gemeinsames und geschlossenes Handeln in allen Politikbereichen. Dabei wurden nicht nur fünf prioritäre Ziele der gemeinsamen Interessensvertretung nach außen festgelegt, sondern ebenso grundsätzliche Werte außenpolitischen Auftretens betont. So setzt die EU wichtige Schwerpunkte auf die Sicherheit der Europäischen Union, die Widerstandsfähigkeit der Staaten und Gesellschaften der östlichen EU, einen integrierten Ansatz zur Konfliktbewältigung, auf Zusammenarbeit beruhende regionale Ordnung und eine globale Ordnung, die auf dem Völkerrecht beruht. Auch wenn die Kommission hier auf einen gemeinsamen Nenner kam, zeichnet sich in der Realität doch oftmals ein Bild von Diskrepanzen im außenpolitischen Handeln. Das Ideal einer starken Union, die ihre Rolle geeint in der Welt wahrnimmt, scheint bisher nur auf dem Papier zu existieren.

Welche Rolle kann und wird die Europäische Union also zukünftig einnehmen? Wird sie weiterhin als Mediator in Konfliktbeilegung fungieren oder muss die EU eine aktivere Stellung in Außen-und Sicherheitspolitik einnehmen, um ihrer Rolle als Global Player gerecht werden zu können? Die aktuelle Ausgabe wirft daher zunächst einen Blick auf die bestehende Rolle der EU innerhalb der internationalen Ordnung sowie die Wahrnehmung der EU durch andere internationale Akteure.

Zum Einstieg in die Thematik empfehlen wir den Erfahrungsbricht von Prof. Dr. Ulrich Brückner über den Westen, wie wir ihn kannten und amerikanische Sichtweisen auf die EU. In der Rubrik „Kritisch gedacht“ laden wir zum Gespräch mit Jakob Kullik über die Beziehungen zwischen Europa und Israel. Ganz besonders freuen wir uns, euch in der Rubrik Korrespondenz spannende Artikel der Autoren aus aller Welt des Critical Edges Magzines präsentieren zu dürfen.

Wir danken allen Autor_innen und Unterstützer_innen für ihre Mithilfe an dieser Ausgabe und wünschen viel Spaß beim Schmökern und Lesen!

Kommentiert fleißig, teilt fleißig und lasst uns gerne auch konstruktive Kritiken oder Anregungen da.

Eure Redaktion des ES-Spiegel

Vanessa Beyer, Johannes Schmidt, Antonela Sakic, Marcel Reinhardt, Elizabeth Steglich, Sandra Daum, Selina Corthum

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