ES-Spiegel - Das Magazin der Europa-Studien

Foto: Natalie Bleyl, alle Rechte vorbehalten

Europa muss Alltag werden!

Häufig verlieren wir über all den Sorgen und Nöten unserer Zeit, über den Problemen und Konflikten die sich uns stellen, das Gute aus den Augen. Vor lauter Stirnrunzeln vergessen wir das Schöne, das was uns Freude bereitet und sehen die Welt schlechter als sie ist.
Wir blicken mit Gram auf die Glasscherben im Stadtpark, freuen uns aber nicht, wenn die Wege gemacht sind und das Gras geschnitten ist. Wir ärgern uns, wenn eine Bahn sich verspätet, nehmen aber regungslos hin, dass sie pünktlich kommt.

Ich sage "wir", weil sich nur so erklären lässt, warum auch großen politischen Projekten so wenig Achtung gegenüber gebracht wird. Denn es ist doch so: Politische Projekte, werden in der öffentlichen Wahrnehmung mehr mit Problemen, als mit der Lebensfreude und Qualität, die sie uns bringen, behaftet. Es sei denn, es stellt sich irgendeine Ideologie dahinter. Projekte wie: ein allgemein zugängliches Gesundheitssystem, Freihandel, eine Arbeitslosen- und Rentenversicherung oder eben: Europa, sind immer mehr Bestandteil von Tiraden als von Lobliedern.

Und gerade bei Europa ist mir schleierhaft, wie zum Beispiel. eine Debatte über den Krümmungsgrad von Gurken dazu genutzt werden konnte, die gesamte Unternehmung zu verhöhnen. Wer die Bedeutung der europäischen Freundschaft verstanden hat, könnte über solch eine Kleinigkeit nicht den Blick für das große Ganze verlieren. Abgesehen davon, dass diese Geschichte ein totaler Hoax war.
Und doch beobachten wir, wie häufig anhand solcher Kleinigkeiten gestichelt und gespottet wird. Dabei gäbe es ernste und wichtige Themen, wie die humanitäre und finanzielle Situation in Griechenland oder die Entmachtung der Gerichte in Polen, die europäische Verfassung und außenpolitische Stellung der EU. Themen die wir angehen und bearbeiten müssen.

"Von einem Kontinent des Krieges, ist Europa durch die europäische Union zu einem Kontinent des Friedens und der Mitbestimmung geworden."

Doch dafür, dafür braucht es zunächst ein Verständnis, eine Wertschätzung der EU. Denn wieso, sollten wir uns Problemen annehmen, deren Lösung zu einem Ziel führt, das wir gar nicht anstreben, gar nicht erreichen möchten?

Eine Stärkung und Stabilisierung der europäischen Union, gilt es zu erreichen. Das wird uns bewusst, wenn wir den Blick von den Gurken ab und auf das große Ganze schwenken und uns nicht in der Tagespolitik verlieren. Wir sollten uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, was erreicht wurde, was wirklich zählt und vor der Geschichte Bestand hat.

Von einem Kontinent des Krieges, ist Europa durch die europäische Union zu einem Kontinent des Friedens und der Mitbestimmung geworden. Nirgendwo in der Welt arbeiten und leben so viele freie Demokratien in innerem und äußerem Frieden miteinander. Der Friedensnobelpreis bestätigte das.

Aber nicht nur Frieden gibt es hier, sondern auch Wohlstand. Europa ist der größte Wirtschaftsraum der Welt, der mit offenen Grenzen und freiem Handeln einen einzigartigen Austausch an Waren und Wissen ermöglicht.

Dieser Wirtschaftsraum Europa ist gleichzeitig ein Gebiet, in dem Forscher und Studenten sich austauschen und von der europäischen Union gefördert werden. Mehr als eine Viertelmillion Studenten verbrachte allein zwischen 2013 und 2014 auf Kosten der EU Zeit im Ausland. Die zahllosen Kultur- und Sprachprojekte, die gemeinsame Währung und die Unterstützung für Infrastruktur, sei das ein neuer Kreisverkehr in der italienischen Provinz, ein S-Bahn Tunnel in Leipzig oder eine Autobahn in Rumänien, all das ist Teil der europäischen Union.

"Tragen Sie dieses Feuer weiter."

Wer dieses Blatt in die Hand genommen hat, wird das alles wohl nicht vergessen haben. Der steht mit großer Wahrscheinlichkeit für Europa ein. Der hat verstanden, dass bei allem Streit darüber, wie wir die europäische Union gestalten, wir uns doch einig sein müssen, dass es eine europäische Union braucht.

Deshalb: Tragen Sie dieses Feuer weiter. Begeistern und aktivieren Sie ihre Mitmenschen für dieses mutige und wichtige Projekt Europa. So viel Überzeugungsarbeit kann allein im Freundeskreis und am Arbeitsplatz getan werden. Und dort muss sie getan werden. Denn Europa muss etwas Alltägliches werden. Etwas das nicht nur zwischen Völkern und Nationen, sondern zwischen Menschen existiert.

Sascha Kodytek studiert derzeit Jura an der Universität Halle und ist Abgeordneter des Jugendparlaments der Stadt Leipzig. Weiterhin engagiert er sich in verschiedenen Organisationen für eine starke Zivilgesellschaft sowie für politische Bildung in Deutschland. Hierzu gründete er als Mitgründer die Gemeinschaft für Gemeinsinn e.V..// Foto: Amac Garbe

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